Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie

Allgemeines

Ziel der Arbeitsgruppe ist die Erforschung der Entzündungsreaktion bei Autoimmunerkrankungen im Kindes und Jugendalter, insbesondere der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA). Hauptfokus ist die Untersuchung des gestörten Gleichgewichts zwischen pro- und antiinflammatorischen Zytokinen sowie die Analyse der gestörten T-Zellfunktion. Ein weiterer Schwerpunkt befaßt sich mit Verbesserung der Sepsisdiagnostik insbesondere der neonatalen bakteriellen Sepsis.

Detaildarstellung
  • Zytokinexpression bei juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) - Korrelation mitindividuellen Verlaufsformen. Die JIA ist die häufigste Autoimmunerkrankung des Kindes- und Jugendalters. Klinisch handelt es sich um eine hetero. ene Syndromatologie mit 5 unterschiedlichen Subtypen. Auch innerhalb der "gutartigeren" Subtypen treten unkalkulierbare maligne "shifts" der Klinik auf.
  • Aktuelle Daten: In einer 3-jährigen prospektiven Studie wurden Serumzytokine (IL-1ß, IL-2, IL-6, IL-8, TNF-α) und lösliche Zytokinrezeptoren (sIL-2R, p60TNF-R) bei allen 5 JIA Subtypen mittels ELISA gemessen. Unterschiedliche JIA-Subtypen zeigten spezifische periphere Zytokinprofile. Die Zytokinrezeptoren zeigten auch bei normalen konventionellen Entzündungswerten eine Arthritis assoziierte Kinetik. Signifikant unterschiedliche Langzeitprofile bestimmter Zytokine (IL-1ß, IL-2, TNF-α) bei Patienten mit initial gleichem klinischen "Subtyp" unterstreichen die Heterogenität der JIA und liefern Information bezüglich unkalkulierbarer maligner "shifts".
    Ausgehend von diesen Daten soll mit molekulargenetischen Methoden (Gen-Chipanalyse) die Zytokinexpression untersucht werden. Insbesonders sollen bisher identifizierte "Zytokin-non responder" (i.e.: JIA Patient mit über langem Zeitraum nicht nachweisbarer TNF-α Produktion), mit spezifischen "Zytokin-high respondern" (i.e.: JIA Patienten mit über langem Zeitraum deutlich erhöhtem TNF-α) des gleichen Subtyps verglichen und das Genexpressionsmuster mit dem klinischen Verlauf korreliert werden.
    Ziel: substantielle Verbesserung von Prognose und Therapie der JIA (z.B.: Erkennung einer spezifische Indikation für Antizytokintherapie). Besseres Verständnis der Pathophysiologie.
  • In einer weiteren Studie wurde die TH1-TH2 Zellbalance im Frühstadium von noch unbehandelter rheumatoider Arthritis (RA) mittels FACS-Analyse der intrazellulären Zytokinproduktion untersucht. Ergebnisse: die Daten weisen auf eine frühe TH1-Aktivierung bei RA hin.
  • Verbesserung der Sepsisdiagnostik:
    Die konventionelle Sepsisdiagnostik und insbesondere die Erkennung der neonatalen bakteriellen Sepsis sind unbefriedigend. Mittels Analyse von proinflammatorischen Zytokinen (z.B.: IL-8) soll die Diagnostik der bakteriellen Sepsis verbessert werden. Analysemethodik: immunometrischer Test mit Chemiluminiszendetektion - Imulitesystem. Die Zytokine sind am Imulite als diagnostischer Sofortparameter verfügbar. IL-8 wird von Monozyten/Makrophagen und Endothelzellen als Antwort auf bakterielles Lipopolysaccharid und TNF-α bei bakteriellen Infektionen früh gebildet, während das CRP erst 12 - 24 Stunden nach Infektionsbeginn freigesetzt wird. IL-8 hat, bei gleicher Sekretionskinetik, gegenüber IL-6 den Vorteil, daß geringere Probenvolumina benötigt werden (70μl versus 150 μl Serum) und der Wert rascher verfügbar ist (IL-8: 40 min., IL-6: 70 min.). Ein weiterer wichtiger Parameter ist das Lipopolysaccharid bindende Protein (LBP). LBP wird von Hepatozyten nach Stimulation mit IL-1ß und IL-6 gebildet. LBP ermöglicht eine Differentialdiagnose zwischen bakteriellem und sterilem SIRS (systemic inflammatory response syndrom). Mit diesem analytischen Spektrum soll das Management der lebensbedrohlichen Komplikation „neonatale Sepsis“ verbessert werden
  • Verbesserung der Aktivitätsbeurteilung bei Autoimmerkrankungen im Kindes und Jugendalter:Bei Erkrankungen mit Immunaktivierung des T-Zellsystem ist der sIL-2R erhöht. Es konnte von der Arbeitsgruppe nachgewiesen werden (1, 4), daß der sIL-2R bei juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) zur Detektion einer Aktivität der Grunderkrankung eine bessere Sensitivität wie konventionelle Laborparameter (i.e.: CRP, BSG etc.) und klinische Evaluierungsscores aufweist. Derzeit wird die Bestimmung des sIL-2R mittels Imulite-System bei JIA und Kollagenose Patienten hinsichtlich Sensitivität, Spezifität und klinische Praktikabilität evaluiert.
Ausgewählte aktuelle Publikationen
  • Mangge H, Kenzian H, Gallistl S, Neuwirth G, Kaulfersch W, Beaufort F, Muntean W, Schauenstein K: Serum cytokines in juvenile rheumatoid arthritis (JRA). Correlation with conventional inflammatory parameters and clincal subtypes. Arthritis and Rheumatism, 38: 2, 211-219, 1995
  • Mangge H, Schauenstein K: Serum cytokines in juvenile rheumatoid arthritis. Cytokine 10(6): 471-80, 1998
  • Mangge H, Hermann J, Schauenstein K: Diet and rheumatoid arthritis. Scand. Journal of Rheumatology 28: 201-9, 1999
  • Mangge H, Felsner P, Hermann J, Liebmann P, Schauenstein K: Early rheumatoid arthritis is associated with diminished numbers of TH1 cells in stimulated peripheral blood. Immunobiology 200: 290-4, 1999
  • Mangge H, Gallistl S, Schauenstein K: Long term follow up of cytokines and soluble cytokine receptors in peripheral blood of patients with juvenile rheumatoid arthritis. Journal of Interferon and Cytokine Research 19: 1005-10, 1999
  • Mangge H, Hermann J, Hinazant T, Wagner C, Gallistl S, Liebmann P, Schauenstein K, Erwa W: Cystatin C, a sensitive indicator for incipient renal disease in rheumatoid arthritis. Clin Chimica Acta 300: 195-202, 2000
  • Mangge H, Vojinovic J, Schauenstein K: Do Chemokines spark autoimmunity in juvenile and adult rheumatoid disease? Immunobiology, 2002 in press
  • Mangge H, Heinzl B, Grubbauer H: Infliximab has a preferential therapeutic effect in a patient with polyarticular juvenile idiopathic arthritis with concomitant uveitis. J of Rheumatology, 2002 in press
Letzte Aktualisierung: 24.11.2015