Perioperative Gerinnungsdiagnostik

Hormonpräparate zur Verhütung vervielfachen Thromboserisiko - Labortest schafft Klarheit
 
Die Einnahme von Hormonpräparaten zur Empfängnisverhütung steigert das relative Thromboserisiko um ein Vielfaches. Daher sind vor der Verschreibung dieser Medikamente eventuelle Risikofaktoren wie z.B. Gerinnungsstörungen unbedingt auszuschließen. In einer groß angelegten Studie konnten Wissenschaftler der Medizinischen Universität Graz nun nachweisen, dass ein kostengünstiger Labortest ausreicht, um gefährliche Blutgerinnungsstörungen zu erkennen. Die Grazer Ergebnisse wurden aktuell im international renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.
 
Faktor-V-Leiden Mutation: Blutgerinnungsstörung begünstigt Thrombose
 
Die Faktor-V-Leiden Mutation ist die häufigste erbliche Blutgerinnungsstörung bei der es nicht zu Blutungen, sondern vielmehr zu einer Übergerinnbarkeit des Blutes kommt. Diese Blutgerinnsel können lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Da die Einnahme von Hormonpräparaten zur Empfängnisverhütung das relative Thromboserisiko um ein vielfaches erhöht, ist die medizinische Abklärung im Vorfeld extrem wichtig. OA Dr. Florian Prüller und Univ.-Prof. Dr. Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Med Uni Graz haben in einer retrospektiven Studie eindeutig nachgewiesen, dass ein kostengünstiger Labortest ausreicht, um eine Faktor-V-Leiden Mutation als Risikofaktor auszuschließen.
 
Studie: Blutgerinnungsdaten liefern eindeutige Ergebnisse
 
In einer retrospektiven Studie unter Einbeziehung von über 47.000 ProbandInnen haben die Grazer Wissenschaftler untersucht, ob der kostengünstige APC-Resistenztest im Vergleich mit der kostspieligen genetischen Mutationsanalyse idente bzw. sogar eindeutigere Ergebnisse liefert. „An mehr als 8.000 kompletten Datensätzen konnte die Überlegenheit der einfachen und kostengünstigen funktionellen APC-Resistenztestung gegenüber der genetischen Analyse eindrucksvoll nachgewiesen werden“, bestätigt Florian Prüller. Dies ist vor allem dadurch bedingt, dass die mit dem konventionellen Gentest bestimmte Faktor-V-Leiden Mutation durch zusätzliche Mutationen verstärkt oder abgeschwächt werden kann. „Diese zusätzlichen Mutationen werden aber vom Gentest nicht erkannt, wobei der APC-Resistenztest sehr wohl in der Lage ist, deren klinische Auswirkungen festzustellen“, so Florian Prüller.
Somit konnten die Grazer Wissenschaftler die Überlegenheit der APC-Resistenztestung mittels eines extrem großen Datensatzes beweisen. Der Test erkennt nicht nur die klinische Situation besser, sondern bewirkt zudem erhebliche finanzielle Einsparungen. Allein am LKH-Univ. Klinikum Graz konnten in den letzten Jahren mehr als 2 Millionen Euro durch die Nichtdurchführung der Genanalyse eingespart werden.
 
Empfängnisverhütung: APC-Resistenztest klärt Gerinnungsrisiko
 
Der APC-Resistenztest ist in der Lage die tatsächliche phänotypische Genfunktion zu bestimmen, wohingegen die Genanalyse Aufschluß über Bauplanveränderungen im Gen gibt. Die tatsächliche Funktionalität kann durch die Genanalyse nicht belegt werden. „Für die Verschreibung der Pille zur Empfängnisverhütung ist der günstige funktionelle APC-Resistenztest ausreichend um ein Thromboserisiko auf Grund der Faktor-V-Leiden Mutation auszuschließen“, so Florian Prüller abschließend.
 
Weitere Informationen
 
OA Priv.-Doz. Dr. Florian Prüller
Univ.-Prof. Dr. Harald Mangge
Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik
Medizinische Universität Graz
Tel.: +43 316 385 82576
florian.prueller@klinikum-graz.at
harald.mangge@medunigraz.at
Letzte Aktualisierung: 26.02.2016